Bericht – Wirtschaftskrise

4 Mar

Fragestellungen

  1. Unterschiede: Krise 1930 vs. Heute
    + Charakter der Krise (vor allem Politik und Konsequenz)
  2. „Was ist Geld?“ (Euro ist Schlagwort
  3. Soziale Konsequenzen der Krise
  4. Interessensfrage: Wie trifft es die Diskussionsteilnehmer selbst
  5. Interessant wäre, was bedeuten die Sparpakete konkret für den Einzelnen (ist im Vorhinein zu wenig bekannt)
  6. „1923 war der Wohlstand höher als 1995“ trotz sozialer Disparitäten (Mittel) → Zweifel an Messung
  7. Metafrage: warum ist die Begreifbarmachung der Wirtschaftskrise so umständlich (so schwer zu begreifen)

Diskussionsverlauf

Effekte der Krise auf den Einzelnen

  • Ad Frage 5: Kritik am österreichischen Studiensystem (vor allem dessen größere Dauer (Zeitaufwand) ) → Folgen der Krise, beeinflusst persönliche Atmosphäre
  • Bsp: Bahnpost → war früher nicht sonderlich stressig (eine Stoßzeit, ansonsten leer), heute: Arbeit mit Fließband müsste Erleichterung bringen – jedoch „dieser technische Fortschritt ist nicht für den Menschen“
  • Mensch muss sich an Maschine anpassen
  • Maschine wird ja auch von Menschen geregelt, warum nicht langsamer schalten? → weil Kapitalismus hat das Ziel, Produktion zu stärken

Übergang zur Makroperspektive

  • Maschinen sind unschuldig, werden nur gesteuert
  • ursprünglich waren Maschinen klar „für etwas / für jemanden“ gut bzw da – heute meist nur „für jemanden am Ökonomischsten“ → Reduktion auf Kapital
    Bsp: Arbeitsplatzsuche heute / früher zeigt, dass nicht nur auf Maschine-Mensch bezogen
  • Produktion für Profit, nicht Nutzen (Obsoleszenz)
    „intelligenter Konsum“ vs „Obsoleszenz“
  • Markt pervertiert: Endlosspirale des Wirtschaftssystems, es wird sogar künstlich Nachfrage erzeugt
  • wofür steht der internationale liberale Handel? Wem nützt er? Es hat die Krise sicher unterstützt (schnelleres Ausbreiten)
  • Internationale Handel ermöglicht erst die große Produktion, kann aber auch die Lösung sein.

Früher vs. Heute

  • Krise der Überproduktion vs. Verhungern durch Knappheit → Ist das Individuelle dieser Krise. Bisher war Mangel (auch durch Naturkatastrophen) der Auslöser, heute die Überproduktion (man KANN erstmals überproduzieren)
  • Die Krise macht der Mangel an der Kaufkraft aus, nicht zu viel Produktion. Eigentliches Problem: Produktion stimmt nicht mit Konsum zusammen. Durch künstliche Nachfrageerzeugung, Decken des Angebots
    → Ist dem Kapitalismus eigen: steigert Gewinn, darum Verschärfung (dennoch dient die Produktion dem Selbsterhalt)
  • Verteilungsproblem: erklärt die Perversion
    Eventuell nicht Diskussion über „Leistungsgerechtigkeit“, sondern „Verteilungsgerechtigkeit“.
  • Ursprung der Überproduktion: Kapitalisten (haben Produktionsmittel, erzeugen mehr Output als sie bekommen) vs. Arbeiter (bieten Arbeitskraft)
    → Ausbeutung der Arbeiter durch Kapitalisten → bedingt Überproduktion
  • beschränkte Anzahl von Märkten interessant für Produzenten (Kampf um Märkte) – Verkauf kann nicht dort stattfinden, wo produziert wird. (bsp. Von 5 Stühlen prodzuiert, Arbeiter bekommt nur Gegenwert von 4 Stühlen)
  • Produktion wegen Idee, nicht wegen Nachfrage (geringer Gebrauchswert der Produkte) → Kritik: alles kann Gebrauchswert haben
  • Arbeiter von anderen sollen viel verdienen, um eigene Produkte zu kaufen → nur möglich mit Umverteilung (Mehrwert kommt von nichts) – „den Letzten beißen die Hunde“ (bsp. Produktionsabteilung hat deutlich weniger Beschäftigte als die Marketingabteilung) – der Absatz ist das Problem

Lohn und Verdienst, Kapitaleinsatz

  • Zum Thema Arbeiter / Leistung: Was ist eine gerechte Entlohnung? → Kapital ist nicht gleich Geld.
  • Kapital ist für die Gesellschaft allerdings nicht verloren, da Investment allen nutzt.
  • Kapital kann aber auch „nicht investiert“ werden (zBsp. Sparen)
  • Was ist „Lohn“? Eigentlich definiert über Ausbeutung (Geld als Lohn → führt zur Frage „Was ist Geld?“)
  • Zu Produktion: Grundbedürfnisse sollten sofort gestillt werden → wer entscheidet über die Grundbedürfnisse?
    Unsere Gesellschaft entscheidet nicht nach einer Auseinandersetzung mit Bedürfnissen, sondern nach anderen Kriterien – darum ist Verteilung nicht der richtige Ansatzpunkt, sondern die Produktion und deren Motivation!
  • „Rosa Luxemburg“: Analyse: wo werden wie viele Arbeitskräfte benötigt? Bei uns: dem freien Markt überlassen.
  • Bsp. „König Midas“: Geld durch Berührung
    Geld/Gold ist komplex → Sobald es in der Produktion nichts mehr bringt, wird in Spekulation investiert, sobald es dort nicht mehr sinnvoll ist, beiseite gelegt.
  • Theorie: Mehr Krisen bringen ein optimierteres System (Aufdecken und Platzenlassen von Blasen) [Berechnungsgrundlagen werden rekursiv optimiert] → System macht legitime Versprechen!
    Kapitalinvestitionen in Spekulation arbeitet auch. Problem entsteht, wenn Produktion bewusst verschlechtert wird (Obsoleszenz)
  • Geld drückt Werte aus, die nicht da sind. (→ Inflation, etc…)
  • Begriff „Markt“: Eigentlich Umschlagplatz (Handel: Äpfel gegen Stühle)
    nun: Zwischenschaltung von Geld → hat Wert, der wie gemessen wird? (ev. an Arbeitsstunden? Dabei findet aber bei einer optimierten Produktion [schnellere Produktion] automatisch ein Wertverlust statt] )
  • Tauschwert vs. Gebrauchswert (Normalisierung des Tauschwertes ist im globalen Kontext schwierig (früher, in kleinen Gesellschaften war es leichter möglich)
  • Lohnarbeit ist ein Produkt der Industrialisierung. Diese hat Überproduktion überhaupt erst bedingt. Eigenheit des Kapitalismus ist die invasive Ausweitung auf anders organisierte Märkte
  • Aussage: „Wenn ein System am Ende ist, folgt eine Krise – erst Finanz-, dann Sozialkrise“
    Aber, ein bestimmter Kern bleibt.

Geschichtliche Entwicklung

  • Theorie der „zyklisch organisierten Märkte“: Am Anfang war die Welt aufgeschlossen.
    – Imperialismus als Kampf des Kapitalismus, Durchsetzen des Weltmarktes (Vereinigung der Welt)
    – nächste Folge: Revolution (ein Zyklus)
    – Weltkrieg: vorheriger Kapitalismus-Experte ist nun Schuldner
    – Krise/Krieg: bedingt durch Handeln gegeneinander

Im Verlauf spielten Kredite immer größere Rollen (mit zunehmender Globalisierung nahm Bedürfnis nach Geld zu, musste irgendwie gestillt werden) → modernes Problem. Investitionen nicht mehr in Produktion (bringt keine Gewinne mehr) sondern in Spekulationen um mehr Gewinn zu produzieren. Trennung Kapital / Schulden kaum mehr möglich.

  • Globalisierung ist so weit fortgeschritten, sodass sich die Arbeiter selbst zusammenschließen könnten – bereits jetzt erfolgen Zusammenschlüsse.
  • ad. Verteilung: Steuern – Staat Vernetzung wird Umsturz bringen.
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2 Responses to “Bericht – Wirtschaftskrise”

  1. Yann March 19, 2012 at 11:15 am #

    Glückwunsch an den Protokoll-Verfasser! Er hat es geschafft eine grosse Mange an gesagte Sachen fest zu halten, zu bezwingen und zu zähmen (poëtisch, nicht wahr?). Ich fand die erste Diskussion über die Wirtschaftskrise auf jeden Fall sehr erfolgreich. Vieles Unterschiedliches wurde gesagt, aber irgendwie passte alles zusammen. Die Dynamik fand ich sehr gut. Eine schöne kollektive Brainstorm oder “swarm intelligence”, wie ein Teilnehmer es gerne nennt. Ich freue mich schon auf die nächste Diskussion…

Trackbacks/Pingbacks

  1. Report – Economic crisis « Discussion Group Spartacus - March 16, 2012

    […] report of the discussion about the economic crisis was written in German and can be viewed over here. Share this:TwitterFacebookLike this:LikeBe the first to like this […]

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